Niels Henrik Abel und der Abel-Preis


Eine kurze Biographie

Niels Henrik Abel war einer der bedeutendsten norwegischen Mathematiker. Er wurde am 5. August 1802 auf der Insel Finnøy in der Nähe von Stavanger als Sohn eines Pfarrers geboren und starb am 6. April 1829 in Froland an einer Tuberkulose. In den ersten Schuljahren trat seine mathematische Begabung nicht sonderlich hervor. Das änderte sich im Alter von etwa 16 Jahren, als er an eine Schule in Oslo (damals Christiania) wechselte. Sein Lehrer, Bernt Holmboe, erkannte Abels außergewöhnliche Fähigkeiten und förderte ihn.

Ab 1821 studierte Abel an der Universität von Oslo und legte dort schon 1822 ein Examen ab. Seine ersten Arbeiten beschäftigten sich mit Integralgleichungen und dem berühmten Problem der Lösung von algebraischen Gleichungen: für algebraische Gleichungen 2. Grades kann man mit Hilfe von Wurzeln die Lösungen direkt angeben („p-q-Formel”), auch für Gleichungen 3. und 4. Grades sind (kompliziertere) Formeln bekannt. Abel bewies, dass dies allgemein für Gleichungen 5. und höheren Grades nicht mehr möglich ist. Im Winter 1825/26 war Abel mit norwegischen Freunden in Berlin, wo er den Mathematiker August Leopold Crelle traf. Crelle wurde Abels enger Freund und unterstützte ihn in vieler Hinsicht. Im ersten Band des Journals für die reine und angewandte Mathematik – später auch kurz „Crelles Journal” genannt – erschienen allein sieben Artikel von Niels Henrik Abel. Dieser beschäftigte sich weiter mit Integralgleichungen (Abelsches Theorem) und mit der Konvergenz von Reihen und Potenzreihen (Abelsches Kriterium, Abelscher Grenzwertsatz). Viele seiner Ergebnisse waren richtungsweisend für die Mathematik. 1829 sollte Niels Henrik Abel dank Crelles unermüdlichen Einsatzes auf eine Professur für Mathematik in Berlin berufen werden. Crelle schrieb diese Nachricht am 8. April 1829 an Abel, zwei Tage nach dessen Tod.

Eine ausführlichere Biographie von ihm lesen Sie hier.

Der Abel-Preis

Zum 200. Geburtstag von Abel hat die norwegische Regierung eine Stiftung eingerichtet, deren Erlöse für den neu geschaffenen Abel-Preis für Mathematik bestimmt sind. Dieser ist mit einem Nobelpreis vergleichbar, den es für die Mathematik nie gab. Der Abel-Preis wurde erstmals im Jahr 2003 vergeben und seitdem jährlich im Mai. Er ist mit 6 Millionen norwegischen Kronen dotiert, das sind ca. 600.000 Euro. Die Liste der bisherigen Laureaten umfasst 19 internationale Größen der Mathematik. Diese finden Sie hier.

Die Laureatin 2019

Dieses Jahr erhält zum ersten Mal eine Frau diesen angesehenen Preis: die Amerikanerin Karen Keskulla Uhlenbeck, Jahrgang 1942. Sie wuchs in den 1960er Jahren in eine stark männlich geprägte Wissenschaftslandschaft hinein. Sie setzte sich aber durch fachliche Exzellenz durch und wurde so auch zu einem Vorbild für junge Mathematikerinnen. Eine Biographie von Karen Uhlenbeck und ihre mathematischen Verdienste im Sinne des Abel-Preises lesen Sie hier. Dieser Spektrum-Artikel ist ebenfalls lesenswert.

Foto: Andrea Kane/Institute for Advanced Study