Neue Kultur und Gewohnheiten kennenlernen: Alumnus Dr. Jassim Abdulkarim erzählt von den Herausforderungen in einem neuen Land

erstellt von Karina Savio und Luisa Jabs | |   Erfolgsgeschichte

Jassim Abdulkarim kommt aus dem Irak, hat einen Doktortitel in Maschinenbau und als Professor und Berater in seiner Heimat gearbeitet. Seine große Erfahrung hat ihm viele Türen geöffnet. Trotzdem musste er sich bemühen, um die neue Kultur kennenzulernen. Er berichtet, wie BeuthBonus+ entscheidend für seinen Erfolg war.

Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?

Im Jahr 2018 bin ich nach Berlin gekommen. Ich habe an einer internationalen Konferenz über Maschinenbau in Hamburg teilgenommen. Danach bin ich hier geblieben. Wir hatten Probleme in meiner Heimat. Sie wissen… der Krieg. Und Verbindungen sind dort ein wichtiges Mittel, um an gute Positionen zu kommen. Außerdem haben viele Leute eine Hochschulqualifikation. Das ist der Grund, warum ich meine Heimat verlassen habe.



Warum haben Sie sich dazu entschieden, an BeuthBonus+ teilzunehmen?

Ich war hier seit ein oder zwei Monaten und begann, Deutsch zu lernen. Ich habe in den ersten zwei oder drei Monaten, die ich hier war, an drei verschiedenen Workshops teilgenommen. Mein Deutsch-Niveau war auf Level A2. Da ich aber gut Englisch konnte, dachte ich, dass es kein Problem sei, einen Job zu finden. In einem von diesen Workshops habe ich eine Frau kennengelernt und sie hat mir die Adresse von Frau Adlung gegeben. Danach habe ich einen Termin mit ihr vereinbart. Dort habe ich Frau Adlung meinen Lebenslauf gezeigt und gesagt, dass ich einen Job finden möchte und noch nicht mit der Kultur klarkomme. Die alltägliche Kommunikation ist zwischen den Leuten unterschiedlich im Vergleich zu meiner Heimat.  Frau Adlung hat mir sehr geholfen. Sie informierte mich, dass BeuthBonus+ viele Übungen und Trainings beinhaltet, auch im Bereich Deutsch als Fremdsprache. Ich habe an dem Programm teilgenommen und nach drei Monaten mein Zertifikat bekommen.



Hat Ihnen BeuthBonus+ bei der beruflichen Orientierung geholfen?

Ich habe vor dem Kurs einen Job gefunden, aber BeuthBonus+ hat mir geholfen, einen neuen Wortschatz aufzubauen. Und die Regeln der Kommunikation untereinander kennen zu lernen. Besonders mit Kund*innen. Ich arbeite in Vertrieb und der Produktentwicklung. Es war für mich sehr wichtig zu lernen, wie ich mit anderen Leuten im Kontext Vertrieb und Marketing sprechen sollte. Damit wir ein Business entwickeln können, brauchen wir eine gute Beziehung mit den Kund*innen. Diese Kompetenzen habe ich bei BeuthBonus+ und der Cashco GmbH weiterentwickelt.



Würden Sie das BeuthBonus+ Programm weiterempfehlen? Warum?

Ich habe nie im Vertrieb gearbeitet. Ich hatte keine Erfahrung, wie man Kund*innen behandelt, mit Ihnen kommuniziert. In der Qualifizierung habe ich gelernt, wie man einen Brief oder SMS in diesem Kontext schreiben, wie man sich über die Projekte und Produkte unterhalten sollte. Auch, wie man sich begrüßt. Deshalb würde ich den Kurs natürlich weiterempfehlen.



Können Sie uns ein bisschen mehr über Ihren beruflichen Hintergrund erzählen? Sie waren Professor im Irak und Syrien sowie Berater.

Richtig. Ich habe in Bagdad, Syrien und in Sulaymaniyah – im Nordirak –gearbeitet. 10 Jahre lang lehrte ich an der Technologischen Universität in Bagdad und 5 Jahre an der Sulaymaniyah Polytechnischen Universität. Ich war Leiter der Abteilung Maschinenbau und der Abteilung Hochschulqualifikation sowie stellvertretender Dekan. Meinen Bachelor und Master habe ich an der Technologischen Universität in Bagdad absolviert, aber meinen Doktortitel habe ich in der Damaskus Universität in Syrien gemacht. Damals baute ich ein großes akademisches Netzwerk auf und betreute auch viele Master-Studierende und Doktoranden als Gutachter. Außerdem arbeitete ich zwei Tage pro Woche als Berater in einer Zement- und Eisenfabrik. Ich veröffentlichte auch ungefähr 50 Artikel in Zeitschriften und mein Buch „Industrial Diffusion Burners“, das auch hier in Deutschland erschienen ist.



Sie haben einen Doktortitel als Ingenieur, ein Beruf mit einer großen Nachfrage in Deutschland. Wie sehen Sie den Arbeitsmarkt hier? Wie ist bis jetzt Ihre Arbeitserfahrung in Deutschland?

Ich arbeite bei der Cashco. Wir stellen Armaturen her für die Flammendurchschlagsicherung, Steuerventile und Tankausrüstung, die beispielsweise im Transport, in Häfen und in Raffinerien benötigt werden. Ich arbeite dort seit mehr als zweieinhalb Jahren. Jetzt ist mein Arbeitsvertrag unbefristet. Hier in Deutschland habe ich eine neue Kultur kennengelernt, die Wissenschaft ist aber genau wie im Irak oder Syrien. Ich habe viele Erfahrungen in Maschinenbau und bin Spezialist. Als ich meinen Job gefunden habe, konnte ich nur „Hallo, wie geht es Ihnen?“ sagen. Mein Chef sagte damals zu mir: „Du hast einen guten Lebenslauf und Schritt für Schritt schaffen wir das“. Man braucht in Deutschland eine höhere Qualifizierung, weil die Entwicklung von Produkten hochspezialisiert ist. Ich bekam die Gelegenheit in einem neuen Bereich, Sales und Marketing, zu arbeiten. Ich verhandle mit Firmen aus ganz Europa, aus arabischen Ländern und auch weltweit. Ich nehme Kontakt mit deren Vertrieb-Abteilungen auf. So habe ich 280 neue Unternehmen für meinen Arbeitgeber gefunden, mit denen wir Geschäfte machen.



Am Anfang, welche Probleme sind Ihnen beim Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt begegnet?

Erstens: In meiner Heimat war ich Chef, hier bin ich Arbeitnehmer. Das ist für mich ein großer Unterschied. Ich musste damit umgehen lernen. Mein zweites Problem ist die Kultur. Ich muss erst lernen, wie man mit anderen Leuten hier umgeht. Der dritte Punkt ist für mich die Sprache. Deutsch ist eine sehr schwierige Sprache. Ich habe daran gearbeitet. Nach meinem Feierabend lernte ich fast jeden Tag noch zwei bis vier Stunden lang Deutsch. Heute habe ich mein Deutsch B2-Zertifikat bekommen.Die Mentalität der Menschen in Deutschland unterscheidet sich von der, die ich gewohnt war. Aber ich habe auch gelernt, damit umzugehen – mittlerweile habe ich sehr gute Beziehungen mit meinen Kolleg*innen.



Was sind Ihre nächsten/langfristigen beruflichen Ziele?

Mein Plan ist es, wenn ich bei Cashco bleiben kann, mit der Firma zu wachsen. Für die Zukunft möchte ich dort auch an weltweiten Firmen-Messen teilnehmen. Mein Traum ist es, wieder an der Universität zu lehren. Vielleicht kann ich irgendwann neben meiner Arbeit bei Cashco einmal pro Woche abends an einer Universität unterrichten.

 

Haben Sie Tipps für Migrant*innen, die jetzt auf der Jobsuche sind?

Erstmal muss man Deutsch lernen. Das ist der wichtigste Punkt. Zweitens sollte man an Workshops teilnehmen. Eine andere Idee ist, direkt nach dem Umzug Initiativen wie BeuthBonus+ zu suchen, damit die Jobsuche kürzer dauert. Zum Beispiel hat ein Coach von BeuthBonus+ mir empfohlen, zuerst bei einer Firma zu arbeiten, damit ich Zeit habe, Deutsch zu lernen und die Kultur kennenzulernen, anstatt eine Arbeit direkt bei einer Universität zu suchen. Wegen meiner Erfahrung habe ich nie daran gedacht. Und das hat für mich sehr gut geklappt. Deswegen empfehle ich BeuthBonus+ zu besuchen, um gute Tipps zu bekommen.

eigenes Porträt-Foto von Dr. Jassim Abdulkarim
eigenes Porträt-Foto von Dr. Jassim Abdulkarim

Das Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert

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