Lösungsorientiertes Denken: Alumna Amal Alaydie berichtet, wie hilfreich es ist, an die eigenen Möglichkeiten zu denken

erstellt von Karina Cornacioni Sávio | |   Erfolgsgeschichte

Amal Alaydie ist palästinensische Jordanierin und ist mit ihrer Familie im Jahr 2012 nach Deutschland umgezogen. Als Ernährungsberaterin hat sie immer mit Menschen gearbeitet und berät jetzt Personen mit unsicherer Bleibeperspektive bei bridge – Berliner Netzwerke für Bleiberecht. Sie erzählt uns, wie wichtig es ist, optimistisch zu bleiben und sich früh neu zu orientieren. Und warum die Arbeit der beste Weg zur Integration ist.

 

Welche Strukturen, Dienste und Unterstützungen waren Ihnen wichtig und haben Sie hier in Anspruch genommen?

In Berlin gibt es viele Initiativen, viele Projekte, viele Aktivitäten. Aber ich war selbst auch sehr aktiv und habe verschiedene Projekte besucht und an Veranstaltungen teilgenommen, um neue Kontakte zu knüpfen. Aber ich habe bemerkt, dass es hier ein Informationsdefizit für neu Zugewanderte gibt. Der Zugang zu Informationen ist erschwert und viele Projekte bleiben unbekannt.


Warum haben Sie sich dazu entschieden an BeuthBonus+ teilzunehmen?

Eine Freundin hat mir Anfang 2020 den Flyer von BeuthBonus+ geschickt. Ich fand die Kurse sehr interessant für meine berufliche Weiterentwicklung. Leider war meine Arbeit in Vollzeit, weswegen ich nicht teilnehmen konnte. Dann kamen die Corona-Zeiten und ich habe das Programm kontaktiert, um zu fragen, ob es online umgesetzt wird. Das Programm wurde so schnell auf die neue Situation umgestellt und seither alles online umgesetzt. Ich gebe BeuthBonus+ und den Coaches 5 Sterne. Die Methoden sind sehr gut. Sie präsentieren, wie man sich für eine Arbeitsstelle vorstellen kann, wie man die Bewerbung macht und viele andere Themen.


Was ist der beste Tipp, den Sie von den Coaches oder im Programm allgemein bekommen haben?

Alle waren sehr freundlich und professionell. Es hat mich sehr gefreut, an BeuthBonus+ teilzunehmen und alle Teilnehmenden kennenzulernen, die im gleichen Bereich arbeiten. Das war für mich super hilfreich. Zudem ist es eine gute Chance, neue Methoden zu hören und zu diskutieren, die ich auch in meiner Arbeit nutzen kann. Mir war es wichtig, die sozialen Medien besser kennenzulernen, weil ich mein Profil auf Facebook aktiv für die Arbeit gestalten möchte.


Wie haben Sie die berufliche Neuorientierung in Deutschland erlebt? Was gab es für Probleme?

Die Arbeit ist der beste Weg, um sich in der Gesellschaft zu integrieren. Und natürlich gab es für mich als Frau und Mutter viele Herausforderungen. Meine erste Sorge war immer die Zukunft meiner Kinder. Deswegen mache ich mir Sorgen, dass Frauen mit Migrationsgeschichte und Kindern keine guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen. Nun versuche ich durch meine Arbeit bei bridge – Berliner Netzwerke für Bleiberecht, zugewanderte Frauen durch meine Beratung zu stärken und unterstützen. Ich versuche den neuzugewanderten Mut zu geben, denn trotz aller Herausforderungen kann man sich mit einer guten Begleitung ein gutes Leben in Deutschland aufbauen. Als Migrant*innen müssen wir uns mehr Mühe als die Deutschen geben, um unsere Ziele zu erreichen aufgrund der vielzähligen Herausforderung, die uns begegnen.


Würden Sie das BeuthBonus+ Programm weiterempfehlen? Warum?

Natürlich. Das Programm BeuthBonus+ ist sehr gut aufgebaut, mit verschiedenen Themen: Zeitmanagement, einzelne Coaching-Sessions, soziale Medien, interkulturelle Kommunikation, Softskills usw. Alle Kompetenzen, die behandelt wurden, sind so wichtig. Ich denke, es wäre sinnvoll, wenn das Programm in der eigenen Sprache angeboten wird. Dann können wir die Zeit von einem Einstieg im Arbeitsmarkt ein bisschen verkürzen. Dabei geht es nicht um die Sprache hier, sondern um die Infos über die deutsche Gesellschaft und den deutschen Arbeitsmarkt.

 

 

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Amal Alaydie ist BeuthBonus+ Alumna und arbeitet selbst als Beraterin beim Projekt  bridge – Berliner Netzwerke für Bleiberecht. Dort beraten Sie Menschen mit unsicherer Bleibeperspektive über Themen wie Berufswegplanung und Qualifizierungsmöglichkeiten. Sie kennt viele Probleme Ihrer Kund*innen aus eigener Erfahrung.


Sie arbeiten bei „Bridge“ – ein Projekt zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Dort beraten Sie Geflüchtete in Bezug auf ihre Aufenthaltstitel oder zur Berufsorientierung. Vieles kennen Sie aus eigener Erfahrung. Wie ist es für Sie, dieses Wissen weiterzugeben?

Bei Bridge unterstützen wir die Geflüchteten mit unsicherer Bleibeperspektive: mit Duldungsstatus, befristetem Aufenthalt usw. Ich mache die erste Beratung, die Berufsberatung, die Berufswegplanung und die Vermittlung in verschiedene Qualifizierungs- und Orientierungskurse, Deutschkurse und auch in Arbeit sowie Ausbildung. Die Beratung ist auf Deutsch, Englisch und Arabisch.

Ich habe einen ähnlichen kulturellen Hintergrund wie viele Migrant*innen und spreche die Sprache der prozentual größten Gruppe von Zuwanderern im Kontext Flucht und Asyl, deswegen kann ich die Leute, die zur Beratung kommen in unterschiedlichen Ebenen gut verstehen. Ich kann ihre Probleme, die sie hatten und haben, gut nachvollziehen. Das motiviert mich, alles bei meinen Beratungen zu geben, da dieser Kampf mir allzu bekannt ist. Jetzt fühle ich mich wie eine Brücke zwischen den Geflüchteten, Migrant*innen und der deutschen Gesellschaft durch die Unterstützung und Vorbereitung auf den deutschen Arbeitsmarkt in meinen Beratungen. Deswegen möchte ich nicht über die Hürden sprechen, sondern über die Lösungen und Möglichkeiten.

Zusätzlich engagiere ich mich ehrenamtlich im Bezirk und helfe Frauen, sich in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren. Mir ist es wichtig, dass die Perspektiven und Bedürfnisse von benachteiligten Gruppen bei der Gestaltung unseres Bezirks Gehör finden. Mein Ziel ist es, starke Frauen auf Ihrem Berufsweg zu begleiten und unterstützen.


Welche Fragen werden von den Ratsuchenden bei Bridge am häufigsten gestellt?

Manche Menschen stellen Fragen über die Anerkennung von Zeugnissen, andere über die Anerkennung von Erfahrungen, weil sie nur berufliche Erfahrungen ohne Zeugnisse haben. Einige kommen mit einem hohen akademischen Abschluss und wollen hier in Deutschland arbeiten und oder direkt in den Arbeitsmarkt einsteigen. Es gibt auch viele Fragen über den Berufswechsel und Deutschkurse. Wer zu mir kommt, kann mir alle Fragen zur Arbeitswelt stellen. Wenn ich nicht selbstweiterweiß, kenne ich die richtige Anlaufstelle! 

Die Leute, die zu mir kommen, brauchen viel Orientierung, bevor sie auf dem Arbeitsmarkt ankommen können. Wir besprechen, was für Möglichkeiten es gibt. Was ihnen helfen kann, ihren Aufenthaltstitel zu bekommen. Deswegen finde ich es sehr gut und wichtig, dass die Leute zu uns ganz früh kommen und nicht erst nach der negativen Entscheidung ihres Asylantrages. Dann ist wertvolle Zeit verloren gegangen und der Weg in den Wunschberuf oder aber zum Bleiberecht wird schwerer. Am Anfang können wir alles gut planen und Hand in Hand mit ihnen gehen, um die bestmögliche Unterstützung auf dem Karriereweg zu geben.

Viele Leute wollen arbeiten und haben Interesse an einer Arbeit, besonders Frauen und Jugendliche ohne klare Vorstellungen, wie sie diese umsetzen können. Dann versuche ich, ihre Wünsche realisierbar zu machen, damit sie ihre Ziele erreichen.

Die Corona-Pandemie und die zu ihrer Bekämpfung notwendigen Maßnahmen
betreffen nahezu jeden Bereich unseres persönlichen Lebens und stellen uns alle vor Herausforderungen. Bestimmte gesellschaftliche Gruppen sind jedoch mitunter auf unterschiedlichste Weise von den Folgen der Krise betroffen. So sind Migrant*innen von der Corona-Krise besonders schwer getroffen. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind für sie besonders erheblich. Deswegen ist es jetzt umso wichtiger, die Einsteigemöglichkeiten für Zugewanderte auszubauen und den Zugang in den Arbeitsmarkt für sie zu vereinfachen.


Haben Sie Tipps für Migrant*innen und Geflüchtete, die jetzt auf der Jobsuche sind?

Man sollte sich vor falschen Informationen in Acht nehmen. Oft werden falsche Informationen über soziale Medien verbreitet und können Nachteile für die Migranten*innen bringen. Deswegen habe ich meine Facebook-Seite erstellt. Hierrüber versuche ich, die richtigen und wichtigen Infos auf Deutsch, Englisch und Arabisch zu vermitteln.

In Berlin gibt es viele Möglichkeiten und die Leute sollten optimistisch und aktiv sein. Es ist auch gut, sich von Anfang an in Deutschland zu orientieren. Das ist wichtig, damit wir als Berater*innen gut beraten können und die Personen die Angebote gut nutzen können.


Ich freue mich, wenn ich mit meiner Arbeit einen Beitrag für eine solidarische Zivilgesellschaft leisten kann.


Copyright: Amal Alaydie / Farah Fotos

Das Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert

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