Expert*innen-Tipps: Julia Merian zu beruflicher Anerkennung

erstellt von Nana Nkrumah | |   Expert*innen-Interview

Julia Merian ist Anerkennungsberaterin. Sie leitet das Projekt FAbA „Fahrplan Anerkennung beruflicher Abschlüsse“. Das IQ-Projekt ist Teil der Migrant*innen-Organisation Club Dialog. Der Verein fördert inzwischen seit 33 Jahren erfolgreich die Integration von Eingewanderten aus der ehemaligen Sowjetunion sowie osteuropäischen Ländern. Die dort angesiedelte Anerkennungsberatung richtet sich an Ratsuchende mit ausländischen Qualifikationen. Sie berät Migrant*innen, ob sie eine Anerkennung benötigen und hilft bei der Antragsstellung. Wie die Beratung - in Corona-Zeiten auch online - funktioniert, erklärt Julia Merian im Interview...

Was genau bietet das Projekt FAbA Ratsuchenden?


FAbA unterstützt seit 2011 Menschen, die ihre ausländischen Abschlüsse anerkennen lassen möchten. Wir bieten ihnen eine Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung sowie eine Finanzierungberatung – hier geht es um die Finanzierung des Anerkennungsprozesses. Unsere Zielgruppe sind Personen, die nach Berlin eingewandert sind und ausländische Berufsqualifikationen haben. Die Beratung wird in Deutsch, Englisch, Russisch, Ukrainisch, Polnisch, Arabisch und Kurdisch durchgeführt.

In den Zeiten der Pandemie verlief die Umstellung der Beratungsformate auf Online und telefonische Beratungen seit März 2020 schnell und reibungslos. Die Akzeptanz des Beratungsangebotes ist bei den Ratsuchenden sehr hoch. Die Anerkennungsberatung ist freiwillig und die Beratung erfolgt streng vertraulich.


Wozu wird eine Anerkennung beruflicher Abschlüsse benötigt?


Wenn man sich in Deutschland mit einem ausländischen Abschluss bewirbt, können potentielle Arbeitgeber oft den Abschluss nicht richtig einschätzen. Daher ist eine Anerkennung des Abschlusses als Angliederung in den deutschen Arbeitsmarkt sehr wichtig. Es hilft dabei, eine bildungsadäquate Beschäftigung zu finden. Von einer Anerkennung können potentielle Arbeitgeber nur profitieren. Denn es erleichtert die richtige Einordnung der ausländischen Qualifikationen.

Ob man eine Anerkennung des ausländischen Abschlusses braucht, hängt vor allem davon ab, ob es sich um einen reglementierten oder nicht-reglementierten Beruf handelt. Am besten erkundigt man sich zu diesem Thema bei einer individuellen Beratung. Hier besprechen wir, ob das Anerkennungsverfahren möglich ist und welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Da die Rechtslage hier sehr breit gefächert ist, ist es oft schwierig alleine einen Durchblick zu bekommen.

Wie hoch ist die Nachfrage?


Der Zulauf von Ratsuchenden mit ausländischen Abschlüssen zum Club Dialog ist ungebrochen. Die Tendenz ist steigend, dass immer mehr Eingewanderte ihre Abschlüsse anerkennen lassen möchten. Die Palette der Berufe, Herkunftsländer, Sprachen, Altersgruppen, Wege nach Deutschland und Lebensgeschichten der Ratsuchenden ist sehr breit. Daher legen die Berater*innen großen Wert auf maßgeschneiderte Beratung, die den Besonderheiten der Situation der Ratsuchenden Rechnung trägt. Das Ergebnis der Anerkennungsverfahren ist ebenfalls verschieden. Es hängt von den vorhandenen Qualifikationen und den beruflichen Zielen der Person ab.


Welche Rolle spielt die Unterstützung durch FAbA bei der Fachkräfteeinwanderung?


Seit September 2020 ist das Projekt FFB - Fahrplan Fachkräftesicherung in Berlin bei Club Dialog angesiedelt. Dieses richtet sich in erster Linie an Arbeitgeber und ist eng mit FAbA verzahnt.
Das Beratungsangebot umfasst beispielsweise die Anwerbung von Fachkräften mit ausländischen Berufsqualifikationen. Es berät auch zum Anerkennungsprozess im Rahmen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes. Und es unterstützt beim Integrationsmanagement in den einzelnen Betrieben.

Vielen Dank für das Interview, liebe Frau Merian.

Sie suchen Rat? Dann wenden Sie sich gerne an:

Julia Merian (Projektleitung & Anerkennungsberatung)
Fahrplan Anerkennung beruflicher Abschlüsse      
E-Mail: anerkennung(at)club-dialog.de

Lenke Simon (Projektleiterin und Koordinierende Beraterin)
Projekt FFB - Fahrplan Fachkräftesicherung in Berlin
E-Mail: l.simon.ffb(at)club-dialog.de

Dialog-Haus Wedding
Lindower Str. 18, Aufgang 2, 1. Obergeschoss links
13347 Berlin
Tel.: 030-26 34 76 05

Foto: © FAbA_Club Dialog

Das Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert

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