Hilfe beim Deutsch lernen: Sprachcoach Miriam Zouyène im Interview

erstellt von Nana Nkrumah | |   Expert*innen-Interview

Miriam Zouyène ist qualifizierte Lehrkraft im Bereich Deutsch als Fremdsprache und Deutsch als Zweitsprache. Bei BeuthBonus+ leitet sie den Kurs „Berufsbezogenes Sprachcoaching Deutsch“. In den Workshops und Einzelcoachings hilft sie den Teilnehmenden ihr deutsches Fachvokabular und ihre Lerntechniken nachhaltig zu verbessern. Im Interview erklärt sie, wie Sie Ihre Sprachfähigkeiten am besten weiter ausbauen können…

 

Wie können Menschen am besten zuhause Deutsch lernen?

Setzen Sie sich ein Ziel. Fragen Sie sich: Welche Sprachfertigkeiten brauche ich im Alltag oder bei der Arbeit am meisten – zum Beispiel Lesen, Schreiben oder Sprechen. Und was brauche ich, um diese Sprachfertigkeit richtig anzuwenden? Eine sehr bewährte Methode ist zum Beispiel, bestimmte Sätze auswendig zu lernen, sie aus dem Gedächtnis aufzuschreiben oder aufzusagen.

Oftmals fällt es leichter, über Themen zu sprechen, die einem persönlich am Herzen liegen. Deshalb empfehle ich Ihnen für zuhause einen Lernstoff, der Sie thematisch interessiert. Das kann zum Beispiel ein Land sein, das Sie besonders mögen. Setzen Sie sich das Lernziel, jemandem etwas über dieses Land schriftlich oder mündlich mitzuteilen. Wie würden Sie einer anderen Person davon erzählen? Das Grammatik- und Wortschatztraining wird viel anschaulicher, wenn Sie sich hier ein konkretes Beispiel aussuchen.

Gibt es bestimmte Taktiken oder Methoden, die Sie empfehlen?

Beim Vokabellernen gibt es verschiedene Lerntechniken, sodass jede*r für sich etwas Passendes finden kann. Diese lernen die BeuthBonus+ Teilnehmenden im Sprachcoaching kennen. Auf jeden Fall rate ich dazu, dass Sie die neuen Wörter in einen Kontext einbauen. Das kann ein Satz, eine Eselsbrücke oder ein Bild sein. Ein großer Vorteil ist, wenn Sie zu Hause lernen, dass Sie tun und lassen können, was Ihnen beliebt. Sie können beim Lernen beispielsweise singen, Musik hören, sich bewegen oder vor einem Spiegel sprechen.

Wichtig ist es, am Ball zu bleiben. Auch wenn man es nicht schafft, sich jeden Tag zu motivieren, sollte man doch auch nicht zu viel Zeit zwischen den Lernphasen verstreichen lassen. Kürzere Einheiten mit Wiederholungen sind effektiver als stundenlanges Lernen am Stück. Mein Tipp für Vokabeltraining, das man auch in fünf Minuten in der U-Bahn machen kann, sind Lernkarten auf Quizlet!

Es gibt auch weitere tolle Online-Übungsseiten wie von LearningApps oder vom Schubert-Verlag. Und auch auf YouTube finden sich viele Kanäle, die sich mit Deutsch beschäftigen. Geben Sie hier einfach „deutsche Grammatik“ als Suchwort ein.
 
Welche (Aussprache-)Übungen gibt es für zuhause? Wie übt man am besten Sprechen?

Um Ihre Aussprache zu verbessern, beziehungsweise mehr Sicherheit beim Sprechen zu erlangen, sollten Sie zuerst einmal hören üben. Dazu können Sie beispielsweise die Beiträge der Reihe „Top Thema“ auf Deutsche Welle nutzen. Dort gibt es jede Menge aktueller Themen.

Mit diesen Texten können Sie auch arbeiten, indem Sie nach jedem Satz die Audio-Aufnahme anhalten und den Satz laut nachsprechen. Noch ein Tipp: Nutzen Sie den Hörtext als Diktat, schreiben Sie auf, was Sie hören und vergleichen Sie es mit dem Transkript! Oder nehmen Sie sich selbst auf und vergleichen Sie den selbst gesprochenen Text mit der Hörübung. Aussprache ist ein komplexes Phänomen, zu dem neben den korrekten Lauten auch und vor allem die korrekte Intonation gehört. Achten Sie beim Radiohören oder wenn Sie Filme ansehen bewusst auf diese Phänomene. So bekommen Sie ein Ohr für die korrekte Satzmelodie. Achten Sie dabei auch auf Emotionen: Wie klingt der Satz? Sauer oder gelangweilt? Woran merken Sie, um welche Emotion es sich handelt? So entwickeln Sie ein Gespür dafür, was der Sprechende genau vermitteln möchte.

Herzlichen Dank, liebe Frau Zouyène, für die vielen hilfreichen Deutschlerntipps!

Foto: © Miriam Zouyene privat

Das Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert

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